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BIOGRAPHIE


MASCHINE

Dieter Birr, von allen Maschine genannt, darf zweifelsohne als lebende Rocklegende bezeichnet werden. Als Sänger, Musiker, Komponist und Texter der „Puhdys“ hat er deutsche Musikgeschichte geschrieben.

Den ungewöhnlichen Spitznamen verpassten ihm seine Puhdys-Kollegen, als er mit ihnen im November 1969 die heutige Kultband gründete. Inzwischen ist „Maschine“ ein Gütesiegel, ein Qualitätszeichen. Maschine steht für einen unverfälschten Umgang mit den Möglichkeiten des Rocks, er vereint traditionelle Spielweisen mit immer wieder neuen Strömungen, ohne dabei schnelllebigen Trends hinterher zu hecheln. Bei allem, was er anpackt, hat er sich stets seine eigene Handschrift bewahrt. Seine Fähigkeit, zeitlose, eingängige Hooks mit authentischen, nachvollziehbaren Lyrics auf eine emotionale Ebene zu heben, die Songs mit seiner unverwechselbaren Singstimme zu interpretieren und dabei seinem Publikum auf Augenhöhe zu begegnen, beschert dem charismatischen Künstler seit Jahrzehnten anhaltenden Erfolg. 22 Millionen verkaufte Tonträger und über 4000 Konzerte belegen das.

Jetzt feiert das Urgestein deutschsprachiger Rockmusik seinen 70.Geburtstag und beschenkt seine Fans reichlich: Neben einem neuen Buch, das er gemeinsam mit dem ebenso legendären Radiomann Wolfgang Martin schrieb, veröffentlicht Maschine ein Soloalbum. Es ist nach einem Alleingang in den Achtzigern sein zweites Solowerk. Bei Soloalben wird gewöhnlich darauf verwiesen, dass dies eine sehr persönlich Platte geworden sei. Bei Maschine erübrigen sich solche Sprüche. Der Mann hat noch nie etwas unpersönliches veröffentlicht. Maschine reflektiert viereinhalb Dekaden Musikerkarriere, vereint rundumerneuerte, bekannte und weniger bekannte Puhdys-Lieder in überraschenden Versionen mit ganz neuen Songs. Jeder Ton macht deutlich: Wenn Maschine etwas verabscheut, dann Stillstand. Seine Vorgehensweise ist dabei nicht so platt, dass er einen alten Song einfach noch mal krachen lässt oder ihn in ein neumodisches Akustikgewand steckt, sondern Maschine nähert sich dem Ausgangsmaterial aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel. Die neuen Arrangements konzentrieren sich auf das Wesentliche, die Reduktion schafft Platz für Momente, die auch in der Independent- und Folkszene geschätzt werden. Hier eine Violine, dort eine Tuba, mal eine Slidegitarre, dann ein an Keith Richards erinnerndes Riff oder ein perlendes Piano – die Werkschau bietet etliche Entdeckungen.

Natürlich fehlen nicht die frühen Klassiker, die über den Kultstreifen „Die Legende von Paul und Paula“ ein Millionenpublikum erreichten und den heutigen Status der Puhdys mitbegründeten: „Geh zu ihr“ fasziniert mit Maultrommel und Bläsern, „Wenn ein Mensch lebt“ brilliert mit einer luftig-fröhlichen Leichtigkeit und ausufernden Chorussen. Ebenso aus den Siebzigern stammen das hier von Piano und Streichern getragene „Lied für Generationen“ sowie „Lebenszeit“ mit dem City-Sänger Toni Krahl als Duettpartner. Krahl ist nicht der einzige Sänger, der sich mit Maschine die Vokalparts teilt. In der ersten Singleauskopplung „Regen“, im Original vom 2005-er Puhdys-Album „Alles hat seine Zeit“, ist Julia Neigel dabei. Die neue Version lebt von der Wechselwirkung aus Folkansatz und der facettenreichen Rockröhre der Gastsängerin. Im Opener „Leben ist kurz“ von der 1989-er Platte „Neue Helden“ steht Maschine mit Wolfgang Niedecken am Gesangsmikro. Es ist nicht die einzige Kollaboration mit dem BAP-Frontmann. Im neuen, von Maschine komponierten und Niedecken getexteten Song „Was wussten wir denn schon“ erzählen sie eine gemeinsame Geschichte: 1984 ließen BAP einen Auftritt im Ostberliner „Palast der Republik“ platzen, die Puhdys übernahmen mit zitternden Knien. Was als Song über jene Anekdote gedacht war, könnte nun als inoffizielle Hymne zum 25.Jahrestag des Mauerfalls durchgehen. Der Song wird aus Ost- und Westsicht erzählt, doch die zwei Perspektiven haben erfreulicherweise viele Parallelen. Ein ganz besonderes Duett bietet der neue Song „Wirst du für mich da sein?“ – rührend, aber nicht pathetisch singt Maschine mit seiner achtjährigen Enkelin Annabell. Mit „Die Boote der Jugend“ (vom 1984-er „Das Buch“), „November im Mai“ (vom 1997-er „Frei wie die Geier“), „Du hast Schuld“ (vom 1999-er „Wilder Frieden“) und dem neuen „Mein Weg“ schließt die Sammlung, die mitunter mehr an Mumford & Sons und The Lumineers als an die Puhdys erinnert. Gemeinsam mit dem Silbermond- und Silly-Produzenten Ingo Politz sowie Gästen wie Uwe Hassbecker (Silly) und Reinhardt Repke (Rockhaus) an den Gitarren, Felix Lehrmann (The Flower Kings) am Schlagzeug und Dirk Michaelis an Maultrommel und im Backgroundchor hat Maschine in seiner außergewöhnlichen Musikerlaufbahn ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen. Wohlgemerkt ein weiteres, garantiert nicht sein letztes.

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